Der Architekturstil von Palm Springs wurde als Desert Modernism weltberühmt. Desert Modernism konnte nur in einer Umgebung wie Palm Springs funktionieren, mit heißen Sommern und Temperaturen, die selbst im Winter selten unter 20 Grad Celsius sinken. Hier muss sich niemand hinter dicken Wänden und schweren Vorhängen verstecken. Nein, im Palm Springs will man Wüstenluft atmen.

Anfang der 1940er-Jahre kamen dann zwei weitere Ingredienzen dazu, die den Desert Modernism zum Aufblühen brachen. Erstens: Geld. Zahlreiche Hollywood-Stars und sonnenhungrige Feriengäste hatten das Wüstenstädtchen für sich entdeckt und sorgten für einen fast schon explosiven Zuwachs an vermögenden Einwohnern.

Und zweitens: Gerade in dieser Zeit zog es viele junge, innovative Architekten nach Palm Springs. Unter ihnen waren auch viele Europäer, die sich für die neuen Konzepte Le Corbusiers, Gropius‘ und van der Rohes begeisterten. Hier fanden sie optimale Bedingungen vor, um ihre innovativen Ideen umzusetzen. Palm Springs war ihre Spielwiese, auf der sie sich austoben konnten.

Design am Fließband

Der neue Stil kam so gut an, dass in Palm Springs bald Desert-Modernism-Häuser in großem Stil aus dem Boden schossen. Das Bauunternehmen Alexander Construction Company hatte die Gunst der Stunde genutzt und begann in Kooperation mit Architekten wie William Krisel und Dan Palmer Villen und Ferienhäuser am Fließband zu errichten. Allein zwischen 1955 und 1965 wurden in Palm Springs rund 2.200 solcher „Alexander Homes“ errichtet. Sie waren günstig, schnell gebaut und boten dennoch Eleganz und Luxus. Ende der 1950er waren diese Fließband-Häuser schon für 30.000 Dollar zu kaufen – inklusive Pool und exakt zwei Palmen im Garten.

Architekturgenuss zum Anfassen

Einige der Mid-Century-Modern-Gebäude, wie die City Hall, sind öffentlich zugänglich. Fundierte Einblicke in die Faszination des Wüstenmodernismus geben Architekturrundfahrten wie beispielsweise die Palm Springs Modern Tours.

Jeden Februar zelebriert die Modernism Week die besondere Architektur in Palm Springs. Es werden Touren, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen in ausgewählten Häusern angeboten.

Kaufmann House: Innen ist außen und außen ist innen

Mit dem Kaufmann House hat Richard Neutra, ein österreichischer Architekt, in den Jahren 1946/47 ein Meisterwerk der Ästhetik geschaffen. Die strengen geometrischen Linien des Bungalows bringen die archaische Wildheit der Wüstenlandschaft erst richtig zu Bewusstsein. Doch stehen Haus und Natur nicht im Kontrast zueinander, sondern vermischen und verwischen sich vielmehr. Ein überdachtes Sofa neben Wüstengräsern, ein Außen-Schlafbereich und durchgehende Glasfassaden, die das Gefühl geben, direkt im Garten zu stehen: Das Kaufmann House hat kein Innen und Außen, es ist beides zugleich. Gelbbrauner Stein, Stahl und Aluminium verbinden sich zu einem beeindruckenden Ensemble aus leichtfüßiger Eleganz. (470 W Vista Chino, Palm Springs)

Kaufmann House (auch Kaufmann Desert House) in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Visit California/Carol Highsmith
Kaufmann House (auch Kaufmann Desert House) in Palm Springs. Foto: Visit California/Carol Highsmith

Frey House II

Ebenso grandios ist das Frey House II aus dem Jahr 1963/64. Es heißt, dass Albert Frey – ein Schweizer, der vor seiner Immigration in die USA für Le Corbusier gearbeitet hat – jahrelang den Lauf der Sonne und die Konturen der Felsen beobachtet habe, bevor er den Bauplatz an einem felsigen Hang wählte: Ein weiteres Beispiel für den hohen Stellenwert der Natur im Desert Modernism. Die Villa selbst nimmt sich selbst dagegen ganz in den Hintergrund. Mit seinem Dach aus Wellaluminium wirkt es fast schon eine Spur zu einfach, die Aufmerksamkeit ist ganz der umgebenden Landschaft gewidmet. Auch hier durchdringt der Fels die Wände, der Blick ins Tal ist atemberaubend. Wie romantisch muss es hier nachts zu zweit sein: Um einen herum nichts als Wüste und oben der leuchtende Sternenhimmel. (686 Palisades Dr, Palm Springs)

Frey House II in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Frey House II in Palm Springs. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism

The Russell House

Wenn Alan Carr sich in seinem Pool von einer der vielen Partys erholte, dann konnte er tief unter sich die Stadt Palm Springs liegen sehen. Ansonsten blickte er auf unendliche Felsenlandschaften, wohin das Auge reichte. Ein besonders großer Felskoloss, rötlich-braun und fast quadratisch geformt, thronte sogar mitten in seinem Pool.

The Russell House in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
The Russell House in Palm Springs. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism

Alan Carr, der Produzent des Filmes „Grease“, wohnte in den Jahren seines größten Erfolges im kalifornischen Palm Springs. Seine Partys mit Weltstars wie Roman Polanski, Mick Jagger und Alice Cooper galten als legendär. Seine Villa ist es heute. Das „Russell House“, 1959 von Albert Frey erbaut, ist eines der Glanzstücke eines Architekturstils, der als Desert Modernism weltberühmt wurde.

Der Fels im Pool symbolisiert exakt den Kern des Modernismus in der Wüste: die Verwebung von wilder Landschaft und klarem Design und das Verschmelzen von Natur und Menschenwerk zu einer einzigartigen Ästhetik. (660 Palisades Dr, Palm Springs)

The Russell House in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Das Russell House in Palm Springs. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism

Palmen durchs Dach

Der Funke des Desert Modernism war schnell auch auf die Stadtverwaltung übergesprungen. Sie ließ zahlreiche öffentliche Gebäude von den Protagonisten des Desert Modernism errichten. Das Ergebnis sieht heute jeder, der nach Palm Springs kommt: Durch das Dach der City Hall ragen hohe Palmen weit in den Himmel hinauf. Die Tal- und Bergstationen der Seilbahn „Aerial Tram“ verarbeiten die raue Umgebung unter anderem in einer Fensterfront mit Zickzackmuster, und sogar eine Kirche und eine Bank nehmen die Formen des Modernismus auf. (3200 E Tahquitz Canyon Way, Palm Springs)

Palm Springs City Hall, Kalifornien, USA. Foto: Carol M. Highsmith's America, Library of Congress, Prints and Photographs Division
Palm Springs City Hall. Foto: Carol M. Highsmith’s America, Library of Congress, Prints and Photographs Division

Tankstelle mit Spitze

Ein markantes Wahrzeichen am Ortsausgang ist die Tramway Gas Station von Albert Frey und Robson Chambers aus dem Jahr 1965. Die Überdachung der einstigen Tankstelle läuft scheinbar endlos lang zu einer Spitze zu, die leicht gen Himmel zeigt. Heute ist die Tramway Gas Station vor allem Anlaufpunkt für Touristen, denn sie beherbergt das Palm Springs Visitors Center. (2901 N Palm Canyon Dr, Palm Springs)

Palm Springs Visitors Center, Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Palm Springs Visitors Center. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism

Wie ein UFO am Hang: das Elrod House

Eine besondere Spielart des Desert Modernism verkörpert das Elrod House. Der Architekt John E. Lautner hat 1968 ein UFO-ähnliches Rundgebäude in einen steilen Hang hinein gebaut. Eine gewölbte, von Fenstern durchbrochene Betondecke hängt wie ein überdimensionaler Schatullendeckel über dem Hauptraum – eine dramatische Kulisse, die 1971 zum Drehort für den James-Bond-Klassiker „Diamantenfieber“ ausgewählt wurde. (2175 Southridge Dr, Palm Springs)

Elrod House, Palm Springs, California, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Elrod House. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism

Alexander Estate / Elvis Honeymoon Hideaway

Für Elvis-Fans ist das Elvis Honeymoon Hideaway, wo er nach der Hochzeit ein Jahr lang mit Priscilla gelebt hat, ein Muss. Außergewöhnliche Formen trägt auch das Alexander Estate bzw. „House of Tomorrow“ von 1960. Das dreistöckige Gebäude ist auf einem Grundriss vier runder Kreise erbaut und hat kein einziges eckiges Zimmer. Bekannt wurde es im Jahr 1967 als „Honeymoon Hideaway“ von Elvis und Priscilla Presley. Das Anwesen kann man immer noch bewundern und sogar für seinen eigenen Urlaub mieten. Später nutze Elvis das Haus im Stil des Mid Century Moderns als Rückzugsort aus Hollywood. (1350 Ladera Circle, Palm Springs)

Elvis Honeymoon Hideaway in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Visit California/Andreas Hub
Elvis Honeymoon Hideaway in Palm Springs. Foto: Visit California/Andreas Hub

Auch das weniger bekannte Haus des King of Rock’n Roll Graceland West ist einen Besuch wert. (845 W Chino Canyon Road, Palm Springs)

Im Hotel Caliente Tropics können Gäste Elvis‘ Vorliebe für die hawaiianische Tiki-Kultur teilen. Ein besonderes Highlight des Hotels ist der ehemals geheime Weinkeller.

Bob & Dolores Hope Estate

Das futuristische „Bob & Dolores Hope Estate“ liegt am Berg und bietet einen ausgezeichneten Blick auf Palm Springs. Der renommierte amerikanische Architekt John Lautner, dessen Arbeiten sich durch technisches Können sowie spektakuläre, sinnliche und progressive Linien auszeichnen, hat es 1973 für den Schauspieler Bob Hope und seine Frau Dolores entworfen. Es ist das größte sowie eines der bekanntesten privaten Anwesen in Palm Springs und charakteristisch für den Architekturstil Desert Modernism. Das Haus soll mit seinem wellenförmigen Dach und einer runden Öffnung in der Mitte, die den Blick in den Himmel eröffnet, an einen Vulkan erinnern. (2466 Southridge Dr, Palm Springs)

Bob & Dolores Hope Estate in Palm Springs, Kalifornien, USA. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Bob & Dolores Hope Estate in Palm Springs. Foto: Palm Springs Bureau of Tourism
Desert Modernism
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