Im Südwesten Colorados liegt mit Mesa Verde ein Nationalpark, der in den USA bislang einzigartig ist, denn hier wird nicht, wie sonst üblich, ein Naturwunder, sondern menschliches Kulturerbe geschützt. Steinerne Städte voller Geheimnisse, spektakulär in die Felswände eines Bergmassivs hinein gebaut, erwarten den Besucher im 1906 gegründeten größten archäologischen Schutzgebiet der Vereinigten Staaten.

Der Mesa Verde National Park liegt im Hochplateau des südwestlichen Teils von Colorado. Der Parkeingang liegt zwischen Cortez und Mancos am Highway US 160. Im Park kann der größte und wichtigste archäologische Standort der indianischen Kulturen besichtigt werden.

Mesa Verde Nationalpark Sign, Colorado, USA. Foto: usa-reisetraum.de
Mesa Verde Nationalpark. Foto: usa-reisetraum.de

Felsenwohnungen und tolle Ausblicke am grünen Tafelberg

Ein Besuch in diesen Klippenbauten und Ruinen gewährt Einblick in die faszinierende Welt der Anasazi-Indianer, die diesen Tafelberg und seine umliegende Region bevölkert haben. Der Park beeindruckt mit annähernd 5.000 bekannten archäologischen Stätten, die im 12. Jahrhundert auf spektakuläre Weise von den Ancestral Puebloan Ureinwohnern in die Felswände eines Bergmassivs hinein gebaut wurden, darunter etwa 600 Felsenwohnungen. Besucher des spektakulären Nationalparks haben eine Vielzahl von Erkundungsmöglichkeiten.

Mesa Verde (spanisch für: Grüner Tafelberg) ist ein dicht bewaldeter Tafelberg, der sich von der umliegenden Landschaft um etwas mehr als 600 Meter abhebt und damit an seinen höchsten Punkten eine Höhe von fast 2600 Metern erreicht. Inmitten der hohen Tafelberge können archäologisch Interessierte ein kulturelles Wunderland erkunden und einen einzigartigen Einblick in diese mystische Welt erhalten.

Die Vorfahren der heute in den USA lebenden Stämme bezeichnete man einst als „Anasazi“, da dies aber in der Sprache der Navajo „Alter Feind“ bedeutet, ging man zum politisch korrekten „Ancestral Puebloan“, also den „Pueblo Vorfahren“ über.

Geschichte

1888 suchten zwei Cowboys nach verirrten Rindern und entdeckten die verlassenen Höhlenwohnungen. Zum Schutz der Anasazi-Siedlungen wurde am 29. Juni 1906 der heute kulturhistorisch bedeutsamste Nationalpark der Vereinigten Staaten gegründet. Er war nach dem Yellowstone erst der zweite US-Nationalpark und wurde 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Innerhalb des Parks liegen die alten Lehmbauten der Anasazi-Indianer, hineingedrückt in die Steilwände, scheinbar ohne Halt, geschützt nur durch weit hervorstehende Überhänge. Die Anasazi besaßen die Fertigkeiten, erstaunliche architektonische Leistungen zu vollbringen und ihre Pueblos aus Ziegel und Lehm an den unglaublichsten Plätzen zu bauen.

Die Felsbehausungen wurden im 12. Jahrhundert errichtet und etwa 80 Jahre später aus unbekannten Gründen wieder von den Anasazi verlassen.

Square Tower House im Mesa Verde Nationalpark. NPS Photo
Square Tower House im Mesa Verde Nationalpark. NPS Photo

Mesa Verde heute

Als Besucher des Nationalparks kann man nur staunen angesichts dessen, was die Ancestral Puebloans, die Mesa Verde von 600 – 1300 n Chr. bewohnt haben, hier geschaffen haben: hunderte Felswohnungen haben sie in die steilen Felswände gebaut.

Von den rund 600 Felsbehausungen bildeten allerdings nur wenige größere Siedlungen. Die bekanntesten sind Spruce Tree House, Balcony House und Cliff Palace. Letztgenannte ist die größte Felsbehausung Nordamerikas, liegt in einer 27 Meter tiefen und 18 Meter hohen Felswand-Nische und besteht aus rund 150 Räumen. Es gibt außerdem viele Felsgravierungen, die menschliche Formen darstellen.

Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark in Colorado. Foto: usa-reisetraum.de
Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark. Foto: usa-reisetraum.de

Felsenwohnungen entdecken

Die geheimnisvollen Felsenwohnungen im Mesa Verde Nationalpark sind eine architektonische Meisterleistung. Fünf Stätten sind besonders erwähnenswert.

Spruce Tree House

Gleich in der Nähe des Chapin Mesa Museums befindet sich das Spruce Tree House, das mit 114 Zimmern und 8 Kivas etwa 125 Personen Platz bot und das von März bis November auch auf eigene Faust besichtigt werden kann. Es gehört zu den besser erhaltenen Ruinen und lässt sich über einen kleinen Wanderweg vom Chapin Mesa Museum erreichen. Im Winter ist das Spruce Tree House die einzige zu besichtigende Felswohnung.

Spruce Tree House im Mesa Verde Nationalpark. NPS Photo
Spruce Tree House im Mesa Verde Nationalpark. NPS Photo

Cliff Palace

Unbestrittener Star des Parks und mit etwa 150 Räumen und 23 Kivas die größte Felswohnung Nordamerikas ist allerdings der berühmte und äußerst eindrucksvolle Cliff Palace. Über eine in den Fels gehauene Treppe erreicht man ihn und verlässt ihn wieder über kurze Holzleitern. Die Felsenwohnung kann nur in geführten Touren besucht oder über einen Aussichtspunkt beobachtet werden.

Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. NPS Photo
Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark. NPS Photo

Balcony House

Abenteuerlich ist der Besuch des Balcony House. Ranger führen Wagemutige über 130 Felsstufen hinab und dann wieder über eine zehn Meter hohe Leiter auf einen steil abfallenden Felssims. Zum krönenden Abschluß kriecht man noch auf allen Vieren durch einen engen und etwa drei Meter langen Tunnel, um dann wieder vor Felsstufen zu stehen, die noch einmal 20 Meter in die Höhe führen.

Balcony House im Mesa Verde Nationalpark, Ausblick vom Soda Canyon Overlook Trail. NPS Photo
Balcony House im Mesa Verde Nationalpark, Ausblick vom Soda Canyon Overlook Trail. NPS Photo

Long House und Step House

Das Long House wurde zwischen 1959 und 1961 entdeckt und kann, ebenso wie das Step House, zwischen Mai und September besucht werden.

Long House auf der Wetherill Mesa im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. NPS Photo
Long House auf der Wetherill Mesa. NPS Photo
Step House auf der Wetherill Mesa im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. NPS Photo
Step House auf der Wetherill Mesa. NPS Photo

Mesa Verde erkunden

Auf vielen Wanderwegen, bei geführten Touren und auf Straßen, die für Autos ausgebaut sind, können Besucher den Nationalpark entdecken.

Auf eigene Faust kann man den Nationalpark unter anderem auf der Mesa Top Loop Road oder der Cliff Palace Loop Road erkunden. Beide Straßen können mit dem Auto befahren werden und belohnen Besucher mit Ausblicken auf den Cliff Palace und das Square Tower House.

Wer gerne wandert, ist im Mesa Verde National Park genau richtig. Für Anfänger und Fortgeschrittene schlängeln sich Wanderwege durch den Park. Auf dem 4,5 Kilometer langen Petroglyph Point Trail etwa kann man die Malereien der Ureinwohner bestaunen und versuchen zu lesen.

Der 3,4 Kilometer lange Spruce Canyon Trail beginnt beim Spruce Tree House. Der Point Lookout Trail führt über den Gipfel des Tafelbergs und verspricht einen tollen Ausblick auf das Montezuma- und Mancostal.

Malereien der Ureinwohner am Petroglyph Point Trail im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. NPS Photo
Malereien der Ureinwohner am Petroglyph Point Trail. NPS Photo

Geführte Touren

Wie eine Reise durch die Kulisse eines bildgewaltigen Abenteuerfilms sorgen geführte Wandertouren für einzigartige Einblicke in die mystische Welt einer Hochkultur, die wegen ihrer Architektur, Landwirtschaft und Kunst Berühmtheit erlangte.

  • Besonders beliebt ist die 700 Years Tour. Diese dauert vier Stunden, wird von April bis Ende Oktober angeboten und startet an der Far View Lodge. Die Tour mittleren Schwierigkeitsgrades führt vorbei an historischen Stätten der Pueblo Vorfahren und Parkranger geben Einblicke in die Kultur und Gartenbau der Ureinwohner, sowie in das Erbe des Parks.
  • Die von Mai bis August angebotene Far View Explorer Tour ist für alle Altersgruppen geeignet und führt unter anderem zum Park Point, mit 2.613 Metern der höchstgelegene Punkt des Parks, von dem aus man nicht nur einen fantastischen Blick auf den Nationalpark, sondern auch auf die Four Corner States Colorado, Utah, Arizona und New Mexico hat. Die Tour dauert viereinhalb Stunden und startet am Morefield Campground und an der Far View Lodge.

Unser Fototipp

Natürlich möchte man die Felswohnungen möglichst gut mit der Kamera festhalten, so wie die dunklen Fensterhöhlen, die in starkem Kontrast zu dem sandsteinfarbenen Mauerwerk stehen, die unterirdischen Kivas, die nur von den einfallenden Sonnenstrahlen erhellt werden, oder aber die Felsüberhänge mit ihren schwarzen, grünen, gelben und roten Streifen.

Das beste Licht hat man in den Sommermonaten spätnachmittags bis abends. Abgesehen von den Aussichtspunkten darf man eine Tour durch Cliff Palace, der größten Behausung sowie Balcony House, das man nur über eine Leiter erreicht, nicht verpassen. Farbfotografie ist geeigneter als schwarz-weiß, da das Mauerwerk ansonsten mit dem Hintergrund verschmelzen könnte. Und da man sich auf einem grünen Tafelberg (Mesa Verde) befindet: auch der Panoramaausblick von hier oben ist atemberaubend.

Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. Foto: Denise Chambers/Miles
Cliff Palace im Mesa Verde Nationalpark. Foto: Denise Chambers/Miles

Besucherzentrum

Im Far View Visitor Center kann man sich für Führungen der Ruinen „Cliff Palace“ und „Balcony House“ anmelden.

Das Chapin Mesa Museum ist immer einen Besuch wert. Hier finden Besucher eine informative Ausstellung über das Leben der Pueblostämme in der Region.

Camping

Der einzige Campingplatz des Nationalparks befindet sich in der Nähe des Eingangs. Beim Morefield Campground gibt es auch eine Snackbar, eine Tankstelle und einen kleinen Lebensmittelmarkt (geöffnet Frühjahr bis Herbst).

Morefield Campground im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark
Morefield Campground im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark
Morefield Campground im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark
Morefield Campground im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark

Unterkünfte und Verpflegung im Nationalpark

Um den Park in Ruhe erkunden zu können, sollte man mindestens eine Übernachtung einplanen. Neben dem Morefield Campground ist die einzige Unterkunft im Park die von April bis Oktober geöffnete Far View Lodge.

Lobby der Far View Lodge im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. Foto: aramark
Lobby der Far View Lodge im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark

Die komfortable Lodge verfügt über 150 Zimmer (Kiva und Kiva Deluxe Zimmer) und liegt auf einer Höhe von 2.500 Metern in unmittelbarer Nähe des Visitor Center und unweit der Felsenwohnungen.

Zimmer der Far View Lodge im Mesa Verde Nationalpark in Colorado, USA. Foto: aramark
Zimmer der Far View Lodge im Mesa Verde Nationalpark. Foto: aramark

Wie der Name schon sagt, haben Gäste der Lodge einen fantastischen Ausblick und können bei guter Fernsicht sogar bis nach Utah, Arizona und New Mexico sehen. Auch vom zur Lodge gehörenden und geschmackvoll eingerichteten Metate Room Restaurant bietet sich den Gästen eine grandiose Panoramasicht. Die gehobene Küche hat sich auf zeitgenössische Interpretationen traditioneller Rezepte spezialisiert und würdigt so das Erbe der Ureinwohner.

Im Far View Terrace Cafe und in der Far View Lounge gibt es neben einem tollen Ausblick leckere Snacks, BBQ und Cocktails.

Das Spruce Tree Terrace Café liegt mitten im Nationalpark und serviert amerikanische Klassiker und Spezialitäten aus dem Südwesten wie etwa Navajo Tacos.

Mesa Verde Nationalpark wird vom National Park Service verwaltet, weiterführende Informationen unter www.nps.gov/meve (englisch).

Mesa Verde Nationalpark
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