Im äußersten Süden Georgias bezaubert Cumberland Island mit Dünenwäldern und weiten Marschen. Vor allem aber kennt man das Naturschutzgebiet wegen seines Sandstrands. Auch für seine Wildpferde ist die Nationalpark-Insel bekannt. Eine kleine Fähre steuert zweimal pro Tag die Insel an, wo Wildpferde, breite Sandstrände, Wanderwege unter moosverschleierten Eichen, das Herrenhaus Plum Orchard und das einzige Hotel der Insel – das Greyfield Inn – Besucher erwarten.

Cumberland ist die größte der Barrier Islands an Georgias Atlantikküste und nur per Boot vom Ort St. Marys oder vom Fernandina Beach in Florida erreichbar. Die Insel steht als einer von nur zehn National Seashores unter dem Schutz der Nationalparkverwaltung und bietet einen der schönsten Muschelstrände der Welt, Dünenwälder, weites Marschland sowie Wanderwege durch einen märchenhaften Wald. Bei Kajaktouren im Marschland lassen sich zudem gut Meeresschildkröten beobachten.

Wer es stilvoll mag, übernachtet im Greyfield Inn, der ehemaligen Inselresidenz der Carnegies und einzigen Herberge. Naturfreunde, denen ein Zeltplatz genügt, zelten für 4 Dollar pro Nacht – und gehen vom Ersparten im Greyfield Inn fein essen.

Die Golden Isles nahe der Staatsgrenze zu Florida tragen ihren Namen zu recht. Goldgelb schimmert der puderzuckerweiche Sand an breiten Stränden. Cumberlands nördlich angrenzende Schwesterinseln heißen Jekyll, St. Simons, Little St. Simons und Sea Island. Das Meer, der Strand und die Palmen sind dieselben wie im Nachbarstaat. Dreht man sich aber um, fällt der Blick nicht etwa auf Hochhäuser, sondern auf Dünen und Marschen. Hier ist der Tourismus überschaubar geblieben.

Strand auf Cumberland Island, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. NPS Photo
Strand auf Cumberland Island. NPS Photo

Zusammen mit Little St. Simons zählt Cumberland sicherlich zu den naturbelassensten des goldenen Inselschatzes vor Georgias warmer Atlantikküste: ein ausgedehnter Wald voller knorriger, von Spanish Moss verschleierten Eichen bedeckt das 28 Kilometer lange und 70 Quadratkilometer große Wildnis-Eiland. Durchs Unterholz stromern wilde Truthähne. Die einzigen Autos, die sich über die sandigen Wege wühlen, sind die der Nationalparkverwaltung und der Inhaber ganz weniger Ausnahmegenehmigungen.

Wachsame Besucher können ab und an eines der zirka 175 Wildpferde erspähen, die auf der Insel leben. Sie sind wirklich wild, sich also ganz allein überlassen. Sie stammen wohl von Pferden ab, die im 17. Jahrhundert während der Kolonialzeit dorthin gebracht wurden. Allzu große Zutraulichkeit mögen sie nicht. Der Leiter einer Jugendgruppe hat einem der Tiere aus Übermut in die Nüstern gepustet. Das Ergebnis: ein Tritt ins Gesicht; zum Glück musste der Pferdenarr nur für eine Nacht ins Krankenhaus auf dem Festland; dann war er wieder bei seiner Gruppe. Peinlich war’s ihm aber doch.

Wildpferde auf Cumberland Island, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. NPS Photo
Wildpferde auf Cumberland Island. NPS Photo

Auf der Landseite bestimmen weite Marschen das Landschaftsbild. Hier bekommt man auch Alligatoren zu sehen. Auf der Seeseite dann: Dieser Strand! Lange Holzbohlenwege führen aus dem Wald ostwärts zum Atlantik. Lange Holzbohlenwege führen aus dem Wald an die ostwärts gelegene Küste. Zunächst führt der Weg durch einen mehrere hundert Meter breiten Dünenstreifen. Über die Bohlen huschen Eidechsen, und des nachts verbuddeln Meeresschildkröten ihre Gelege im Sand.

Ein Hinweisschild zum Gelegeschutz der Meeresschildkröten am Strand von Cumberland Island, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Ein Hinweisschild zum Gelegeschutz der Meeresschildkröten am Strand von Cumberland Island. Foto: Georgia Tourism

Schilder kennzeichnen diese Stellen und bitten darum, Taschenlampen ausgeschaltet zu lassen, denn sonst könnten sich die Tiere verirren. Der Strand selbst ist flach, reicht links und rechts bis zum Horizont, und ist noch breiter als das Dünengelände im Rücken. Wo der Sand trocken ist, sinken die Füße knöcheltief ein. Die feuchten Stellen sind fest; ideal für Jogger auf einer der schönsten Strecken der Welt. Mit etwas Glück begleiten Delfine die Jogger ein Stück.

Ein Holzbohlenweg führt zum Strand, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Ein Holzbohlenweg führt zum Strand. Foto: Georgia Tourism

Camping

Versteckt im Eichenwald liegt der Zeltplatz Sea Camp: direkt am Beginn eines der Bohlenwege zum Meer. 16 Plätze für Zelte gibt es dort, und man darf bis zu sieben Nächte in Folge bleiben. Die Nationalparkverwaltung hat kleine Käfige aufgestellt: nicht etwa, um Tiere einzusperren, sondern um Ungemach zu verhindern. Nur so schafft man es nämlich, die Waschbären vom Proviant fern zu halten. Einfache, aber umso sauberere Sanitäranlagen stehen bereit. Natürlich duschen heißt hier natürlich kalt duschen.

Wem das alles noch zu komfortabel ist, schlägt sein Zelt auf einem der vier „Backcountry Campsites“ auf. Das kostet dann nur wenige Dollar pro Nase, von Waschbären ausgeplündert werden inklusive. Und obwohl man nirgendwo einen Abfallkorb findet, ist die ganze Insel absolut frei von hässlicher Hinterlassenschaft. Die Rangerin Nancy erklärt, warum: „Jeder trägt das, was er mitbringt, auch wieder zurück.“ So einfach kann das gehen.

Inseleichen mit Spanish Moss auf Cumberland Island, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Inseleichen mit Spanish Moss auf Cumberland Island. Foto: Georgia Tourism

Greyfield Inn

Im Greyfield Inn kann man die besten Seiten der Insel zusammenführen: wilde Natur und gediegenen Stil. Wer hier zu Abend essen möchte, sollte ein Jackett mitbringen. Dann steht nichts mehr im Wege, um zu schlemmen wie einst die Carnegies. Die nämlich ließen das Greyfield Inn im Stil einer Südstaatenvilla bauen.

Heute ist dieser Inselpalast ein kleines Hotel mit einem vorzüglichen Restaurant. Man blickt auf die Marschen landeinwärts, vor den Säulen des Eingangs breiten besonders mächtige Eichen ihr Geäst bis auf den Boden aus. Kostbare Teppiche in den Salons und edle Gemälde an der Wand. Die Zimmer sind nicht unbedingt billig, aber für einen normalen USA-Reisenden durchaus erschwinglich, und sei es nur als extravaganter Höhepunkt einer Südstaatenreise. Biologen des Hauses führen Gäste auf Exkursionen über die Insel.

Greyfield Inn, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. NPS Photo
Greyfield Inn auf Cumberland Island. NPS Photo

Das Greyfield Inn hat ein eigenes Boot, mit dem es seine Gäste übersetzt. Und, keine Sorge, niemand muss zum Essen eine Krawatte tragen. Das Haus ist ein letztes Refugium nicht nur von Stil und Charme, sondern gleichermaßen von entspannter Atmosphäre. Viele Gäste hängen das Jackett denn auch schnell über die Stuhllehne. Das geht in Ordnung, nur erscheinen möge man bitte mit. Soviel Eleganz muss sein!

Plum Orchard

Den Sinn der Carnegies für Stil zeigt sich auch in einem anderen ihrer Gebäude auf der Insel, der grandiosen Plum Orchard. Diese weiß getünchte Südstaatenvilla ist für Besichtigungen offen.

Plum Orchard Mansion, Cumberland Island National Seashore, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Plum Orchard Mansion, Cumberland Island National Seashore. Foto: Georgia Tourism

Nur eine weitere Insel der Golden Isles neben Cumberland konnte ihr natürliches Erscheinungsbild ähnlich erhalten – Little St. Simons. Auch dort wohnt man in einem Komplett-Arrangement, wenngleich in einem anderen Stil, dem rustikaler Jagdhütten.

Anfahrt

Cumberland Island ist ein Ganzjahresziel, ideal gelegen auf der Fahrt die Küste hinab nach Florida. Die Nationalparkverwaltung bietet eine 45-minütige Überfahrt von St. Marys aus. Die Fähre verkehrt vom 1. März bis 30. November. Von Orlando sind es nur knapp drei Stunden bis zum Schiffsanleger für die Überfahrt, von Atlanta fünf Stunden, und von Savannah anderthalb. Die Überfahrt mit dem Nationalpark-Boot und Camping erfordern Vorab-Reservierungen.

Cumberland Island National Seashore wird vom National Park Service verwaltet, weiterführende Informationen unter www.nps.gov/cuis (englisch).

Cumberland Island National Seashore
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