Der US-Bundesstaat Kansas befindet sich im Mittleren Westen der USA. Da Kansas im geographischen Zentrum des Landes liegt, wird der Staat auch „The Heart of America“ genannt.

Die größte Stadt ist das von der Flugzeugindustrie geprägte Wichita, die Hauptstadt ist Topeka. Abgesehen von einer vielseitigen Landwirtschaft und Viehzucht prägen ausgedehnte Naturareale wie die Flint Hills, eine der wenigen naturbelassenen Tallgrass Prairies Nordamerikas, oder die Kansas Wetlands, ein gleichermaßen Süß- wie Salzwasser speicherndes Marschland, den Staat, der zugleich als BBQ-Hochburg gilt.

Viele der größeren Städte wie Topeka oder Kansas City liegen im östlichen Kansas, während der westliche Teil des Staates eher ländlich und trockener ist. Dazwischen findet sich Gras- und Ackerland, sanfte Hügel sowie die Stadt Wichita.

Banditen und Revolverhelden, Marshalls und Cowboys, Soldaten und Indianer – im Westen des US-Bundesstaats, dort, wo sich der Himmel wie ein riesiges, sonnendurchflutetes Zelt über die Grasebenen wölbt und der Wind unentwegt Staub und sog. Steppenhexen (tumbleweeds, eine Fuchsschwanz-Sorte) vor sich hertreibt, dort ist der „Wilde Westen“ noch lebendig.

Cowboy Silhouettes, Dodge City, Kansas, USA. Foto: KS/OK Tourism

Dodge City

„Queen of the Cowtowns“
In Dodge City im Südwesten von Kansas sind historische Bauten erhalten, hier erwacht die Wildwest-Vergangenheit zu neuem Leben. Westernfans erinnern sich sicher noch an die ... mehr +

Foto: KS/OK Tourism

Hutchinson hingegen ist zwar nicht allzu groß, hat aber mit dem Kansas Cosmosphere & Space Center und dem Underground Salt Museum gleich zwei Attraktionen zu bieten.

„Menschen des Südwindes“ bezeichneten sich die Kanza- oder Kaw-Indianer, nach denen der US-Bundesstaat Kansas benannt ist. Die Militärposten, die einst zum Schutz der Eisenbahnarbeiter, der Händler und ersten Siedler errichtet wurden sind längst verweist, doch in den Sommermonaten kehrt in den Baracken und auf den Parade Grounds wieder Leben ein. Blau berockte Kavallerie bevölkert dann die historischen Militärlager und beispielsweise in der Fort Hays State Historic Site oder der Fort Larned National Historic Site lernt der Besucher, wie hart das Leben der Soldaten um 1870 hier im Herzen von Kansas war.

Szenenwechsel: Federgeschmückt und bemalt tanzen und reiten die Nachfahren der Prärieindianer über die Prärie. Vier Stämme (Iowa, Kickapoo, Potawatomi sowie Sauk & Fox) sind noch in Kansas beheimatet. Zu den Attraktionen gehört die Pawnee Indian Museum State Historic Site und das Mid-American All-Indian Center & Museum in Wichita. In Letzterem findet jährlich Mitte Juli das American Indian Festival mit einem großen Powwow statt.

Obwohl der US-Bundesstaat Kansas heute als „America’s Breadbasket“, als „Brotkorb der USA“, gilt und auf der Fahrt über Land große Anbau- und Weideflächen ins Auge fallen, finden sich noch vielerorts ursprüngliche Prärielandschaften, die unter Schutz stehen. Folgt man beispielsweise dem Western Vistas Historic Byway im äußersten Westen des Bundesstaats, glaubt man Bison und Indianer über die Kurzgrasebenen galoppieren zu hören. Hier befand sich einst einer der abgelegensten Militärposten überhaupt: Fort Wallace. Der legendäre Buffalo Bill Cody ging hier auf Bisonjagd und im Battle Canyon fand 1878 der letzte gewaltsame Konflikt in Kansas zwischen Indianern (Northern Cheyenne) und U.S.-Truppen statt. Endloses Prärieland, von Wind und Wasser erodierte Schluchten, bizarr geformte Felsformationen lassen die Landschaft im Westen von Kansas – zugleich reich an Fossilien – einer Western-Filmkulisse gleichen und den Mythos Wildwest fortleben.

Deutsche Kultur in Kansas

Wer heute durch den Kansas fährt, ist leicht verwirrt: Immer wieder stößt man auf Orte mit deutschen Namen wie Humboldt, Bremen, Stuttgart, Marienthal, Olpe, Bern, Olmütz oder Marienthal. Und spricht man mit den Bewohnern, kann es passieren, in einem deutschen Dialekt willkommen geheißen zu werden. Hier im Zentrum der USA wird nämlich durchaus noch „Plautdietsch“, Düütsch“, „Däätsch“, „Deitsch“ und sogar „Boarisch“ gesprochen. Dass es einen eigenen Sprachatlas der deutschen Dialekte in Kansas gibt, ist ein weiterer Beleg für den bis heute anhaltenden Einfluss der deutschen Siedler, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Weiten des Mittleren Westens der USA eine neue Heimat fanden.

Ist man im Herbst in Kansas unterwegs, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man ein deutsches Fest miterlebt, zum Beispiel am ersten Oktoberwochenende in Atchinson das Oktoberfest, das schon seit über 30 Jahren stattfindet. Die meisten Veranstaltungen finden jedoch im „German Capital of Kansas“ statt. Der so bezeichnete Landkreis, das Ellis County mit Ortschaften wie Hays, Ellis, Victoria oder Schoenchen, lockt mit dem Herzogfest im August oder dem von der Volga German Society veranstalteten Hays Oktoberfest Tausende deutschstämmiger Bewohner aus Nah und Fern an. Blasmusik, Bierzelt, „Steins“ und Lederhosen geben den Veranstaltungen einen besonderen Reiz.

Nationalparks in Kansas

In Kansas gibt es mehrere vom National Park Service betreute Schutzgebiete, wobei es sich bei der Mehrzahl um historische Denkmäler handelt, die an die bewegte Geschichte der Region erinnern.

  • Brown v. Board of Education National Historic Site
    Die 1992 als Gedenkstätte eingerichtete Monroe Elementary School erinnern an ein Gesetz von 1954, mit dem die Rassentrennung in öffentlichen Schulen der USA beendet wurde. (www.nps.gov/brvb)
  • California und Oregon National Historic Trails
    Zwischen den 1840er und 1870er Jahren, den Jahrzehnten vor dem Bau der ersten Überlandeisenbahn, zogen unzählige Abenteurer und Siedler auf diesen beiden Trecks ins „Gelobte Land“. Ausgangspunkt war das kleine Städtchen Independence, im Osten des Großraums Kansas City gelegen. Beide Trails führen auf eine gemeinsamen Route durch Kansas Richtung Westen. (www.nps.gov/cali / www.nps.gov/oreg)
  • Fort Larned National Historic Site
    Der 1859 errichtete Militärposten diente als Schutz der Reisenden auf dem Santa Fe Trail (s. unten). Das Fort zählt zu den besterhaltenen aus der Zeit des „Wilden Westens“. (www.nps.gov/fols)
  • Fort Scott National Historic Site
    Anders als Fort Larned sollte das 1842 eingerichtete Fort Scott den Frieden mit den Indianern sicherstellen. (www.nps.gov/fosc)
  • Lewis & Clark National Historic Trail
    Die wegweisende Forschungs- und Friedens-Expedition der beiden Offiziere Meriwether Lewis und William Clark, 1804–1806, führte von St. Louis durch den Nordwesten und passierte auch das spätere Kansas. (www.nps.gov/lecl)
  • Nicodemus National Historic Site
    Diese Gedenkstätte erinnert an die erste Siedlung im Westen, die 1877 von befreiten Sklaven gegründet worden war. (www.nps.gov/nico)
  • Pony Express National Historic Trail
    Der Pony Express, ein von wagemutigen Reitern wie Buffalo Bill Cody betriebener Botendienst zwischen Missouri, Kansas und Kalifornien, war zwar nur zwischen April 1860 und Oktober 1861 in Funktion, ist heute aber eine Legende. (www.nps.gov/poex)
  • Santa Fe National Historic Trail
    Die zwischen 1821 und den 1870er Jahren genutzte Route zwischen Missouri, Kansas und dem einst mexikanischen Santa Fe in New Mexico gilt als erste Handelsroute in den Westen und zugleich als eine der bedeutendsten des 19. Jahrhunderts. (www.nps.gov/safe)
  • Tallgrass Prairie National Preserve
    In den Flint Hills, im Osten von Kansas, wurde ein über 44 qkm großes Stück Hochgrasprärie unter Naturschutz gestellt. Inzwischen sind auch die einstigen Herren der Prärie, die Bison, zurückgekehrt. (www.nps.gov/tapr)

Ungewöhnliche Museen in Kansas

Cowboys, Indianer und die Route 66 – das verbindet man zunächst mit Kansas. Dass es zu diesen Themen, aber auch zu anderen, mehrere sehenswerte und einzigartige Museen gibt, ist hingegen kaum bekannt.

  • Auf eine Zeitreise in den „Wilden Westen“ begibt man sich in zwei Freiluftmuseen in Kansas: Im Boot Hill Museum in Dodge City und im Old Cowtown Museum in Wichita wurden ganze Dörfer aus den Pioniertagen nachgebaut.
     
  • Eine anpackende Dame war Lucinda Mahaffie, die zusammen mit ihrem Mann James den Mahaffie Stagecoach Stop und einen Bauernhof in Olathe betrieb. Auf dem Museumsgelände mit seinen historischen Bauten wird das harte Leben in den 1860er-Jahren an diesem Kutschenstopp am Santa Fe Trail zu neuem Leben erweckt.
     
  • Der deutschstämmige Präsident Dwight D. Eisenhower steht in Abilene im Zentrum. Hier befindet sich Dwight D. Eisenhower Presidential Library, Museum and Boyhood Home.
     
  • Bunt-kreative „Volkskunst“ steht nicht nur im Grassroots Art Center oder im Garden of Eden im Zentrum – die ganze Ortschaft Lucas ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.
     
  • Besondere Ökosysteme behandeln das Flint Hill Discovery Center in Manhattan – die Hochgrasprärie – sowie das Kansas Wetlands Educational Center in Great Bend (Feuchtgebiete).
     
  • Nur Wenige wissen, dass sich unter der Oberfläche großer Teile von Kansas Salzstöcke ausbreiten. Wer mehr über dieses ungewöhnliche Phänomen und über den Salzabbau mehr wissen und in den Untergrund abtauchen möchte, ist in Strataca in Hutchinson richtig. Dieser Ort wartet zudem mit einer zweiten Attraktion auf: die Cosmosphere, ein interessantes Raumfahrtmuseum.

Musikalische Hotspots

Kansas ist nicht nur bekannt für gutes BBQ, Powwows oder Guest Ranches, sondern auch für seine besondere Musik. Musik bedeutet hier weit mehr als nur Country und Western Music, wenngleich diese Musikrichtungen natürlich eine große Rolle spielen.

Weltbekannt sind Musiker wie Joe Walsh (Wichita/KS) oder Melissa Etheridge (Leavenworth/KS) sowie Bands wie Kansas – 1972 in Kansas entstanden und Begründer des Progressive Rock.

In Kansas erleben viele Innenstädte ein Revival und die Musikszene hat einen erheblichen Anteil. Musterbeispiele sind beispielsweise die Massachusetts Street in Lawrence, „Aggieville“ in Manhattan oder Old Town in Wichita.

Working Ranches in Kansas

Höhepunkt einer Reise durch Kansas könnte der Aufenthalt auf einer „Working Ranch“ sein – eine ungewöhnliche Form von „Urlaub auf dem Bauernhof“, der Besuchern nicht nur Einblick in den Alltag eines Ranchers erlaubt, sondern ihnen auch ermöglicht, für ein paar Tage selbst Cowboy oder -girl zu sein.

  • Besonders empfehlenswert sind dabei die Flying W Ranch in den Flint Hills im Osten von Kansas oder die Moore Ranch südlich von Dodge City, wo die Moore-Familie noch die legendären Longhorns züchtet. (www.flinthillsflyingw.com / www.moorelonghornranch.com)
     
  • Nur lokale oder selbst erzeugte Produkte bekommen Übernachtungsgäste auf der Circle S Guest Ranch nahe Lawrence serviert und es finden Familien-Events wie ein „Tomato & Corn Festival“ statt. (www.circlesranch.com)
Kaw Valley Farm Tour, Lawrence, Kansas, USA. Foto: Travel KS/OK
Kaw Valley Farm Tour, Lawrence, Kansas. Foto: Travel KS/OK

Kulinarisches Kansas

In Kansas rücken lokal produzierte Ware und auch Bio-Lebensmittel, nach dem Motto „Farm-to-Table“, immer stärker in den Vordergrund.

  • Eher für Fleischliebhaber ideal ist das rustikale Lokal Red Tractor in Greensburg. Hier gibt es Rind-, Büffel- und Schweinefleisch oder Hähnchen aus der Region, die Biere stammen von Brauereien aus Kansas, das Mehl von einer nicht weit entfernten Mühle und sogar die Messer werden von einer Firma aus dem nahen Newton bezogen. Besonders lohnen die Farmhouse Platters mit Hackbraten, Huhn, Pute, Schwein oder Rind und beliebigen Beilagen. (redtractorks.com)
     
  • Bei Renee Kelly’s Harvest in Shawnee Mission im Großraum Kansas City sind die Gerichte, die Chefköchin Renée Kelly zubereitet, noch raffinierter. Auffällig ist zunächst der Bau, in dem sich das Fine-Dining-Lokal befindet: das schlossähnliche Caenen Castle, 1907 von einem belgischen Immigranten erbaut. Von der Vorspeisenplatte mit lokalen Käsen und Wurstwaren über Schweinebauch mit Grits oder Kotelett mit Kirsch-Pfirsich-Chutney bis hin zu Rhaberberkuchen sind die Zutaten nicht nur überwiegend regionaler Herkunft – manches stammt sogar aus dem eigenen Kräuter- und Gemüsegarten! –, sondern auch überaus kreativ zubereitet und präsentiert. (reneekellysharvest.com)
     

Quelle: Kansas/Oklahoma Travel & Tourism

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