Atlanta ging in „Vom Winde verweht“ ebenso in Flammen auf wie die wirkliche Stadt im Bürgerkrieg. Keine einzige Szene des Films wurde dort gedreht. Und doch lässt sich hier eine ganze Menge entdecken: über den Film und über den Roman von Margaret Mitchell, auf dessen Grundlage er entstand.

Vom Winde verweht

Die Uraufführung des Filmepos „Vom Winde verweht“ fand am 15. Dezember 1939 in Atlanta statt. Das Epos und die Südstaatenmetropole sind eng miteinander verbunden – im Inhalt und in der Entstehung. Atlanta würdigt die Autorin Margaret Mitchell, die der Stadt mit ihrem Buch ein Denkmal setzte.

Als Margaret Mitchell im Alter von 36 Jahren damit begann, den Roman zu schreiben, hatte die selbstbewusste Journalistin schon viel hinter sich. Ihr erster Verlobter fiel 1918 in Frankreich, vom ersten Ehemann wurde sie 1922 versetzt. Gut zehn Jahre später saß sie mit einem gebrochenen Knöchel in der kleinen Wohnung in Atlanta, die sie und ihr Ehemann John Marsh liebevoll „Die Bruchbude“ nannten.

Margaret Mitchell House in Atlanta: In dieser Wohnung entstand Vom Winde verweht, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Margaret Mitchell House in Atlanta: In dieser Wohnung entstand „Vom Winde verweht“. Foto: Georgia Tourism

Die pure Langeweile trieb sie dazu, sich an ein Buch zu wagen. Drei Jahre schrieb die Autorin und schöpfte dabei neben ihren eigenen schweren Zeiten auch aus ihrer Familiengeschichte. Ihr Großvater kämpfte während des Bürgerkrieges in der Schlacht von Antietam. Das Buch hieß zu Anfang noch „Manuskript des alten Südens“, sollte später jedoch bekannt werden als „Vom Winde verweht“. Das Drama dreht sich um die langjährige Liebe zwischen der verwöhnten Southern Belle Scarlett O’Hara und dem Lebemann Rhett Butler. Vom Schicksal immer wieder voneinander getrennt und zusammengebracht, erleben beide die fetten Jahre des Baumwollreichtums, die Niederlage der Südstaatler und die Zerstörung Atlantas während des Bürgerkrieges. Am 30. Juni 1936 schließlich kam der Roman auf den Markt. Die Autorin und der Verlag hofften auf eine positive Resonanz der Leser.

Der Rest ist Geschichte! Das Buch wurde gleich nach seiner Veröffentlichung zum Bestseller. Übersetzt in über 40 Sprachen und 1937 sogar mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Bis heute wird der Klassiker über das bewegte Leben der Südstaatenschönheit Scarlett O’Hara in den Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs mit Begeisterung gelesen.

Filmproduzent David O. Selznik kaufte die Filmrechte für damals unerhörte 50.000 Dollar. Dass das ganze Land mitfieberte, wer denn nun die Scarlett in der Verfilmung spielen würde zeigte, welchen Stellenwert das Buch zu dem Zeitpunkt bereits hatte. Das Rennen machte Vivian Leigh. Sie und ihr Filmpartner Clarke Gable wurden durch die Rollen unsterblich.

Der Film der Südstaaten-Romanze feierte 1939 im Loew’s Grand Theatre Premiere und war ein bis dahin kaum gekanntes Großereignis. 300.000 Menschen säumten die Straßen von Atlanta, um Clark Gable, Vivien Leigh und den anderen Stars von „Vom Winde verweht“ (Originaltitel: Gone with the Wind) in ihren Limousinen auf dem Weg vom Flugplatz und die Stadt zuzujubeln. Eine Million Besucher strömten für die mehrtägigen Feierlichkeiten in die Stadt. So zeichnete sich schon damals ab: Dies könnte der erfolgreichste Film aller Zeiten werden.

Zwar haben andere Streifen höhere Dollarbeträge eingespielt, am damaligen Geldwert gemessen aber führt „Vom Winde verweht“ die Liste in der Tat mit großem Abstand an. Entstanden war der im Technicolor-Verfahren produzierte Farbfilm auf der Grundlage des gleichnamigen Romans der arbeitslosen Journalistin Margaret Mitchell – der bereits 1936 erschienen war und sich seitdem mehr als 30 Millionen mal verkauft hat.

Auch wenn das vier Stunden lange Epos nicht in Georgia, sondern komplett in Kalifornien gedreht wurde: Gone With the Wind gehört zu Georgia und Atlanta wie kein anderer Film.

Margaret Mitchell House in Atlanta, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Margaret Mitchell House in Atlanta. Foto: Georgia Tourism

Als der Roman erschien, war der Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges 75 Jahre her. Für viele Leser und Kinogänger war und ist „Vom Winde verweht“ mehr als nur eine Story. Vielmehr ein Bindeglied zu einem gar nicht so lang vergangenen Stück Geschichte, das Amerika für immer verändert hat. Geschrieben in der Halbzeit zwischen Kriegsbeginn und dem Heute ist Mitchells Roman immer noch ein bewegender und lehrreicher Blick in die Zeit von Baumwollbaronen und Schlachtfeldern.

Buch und Film machten Margaret Mitchell zwar reich, doch lebte sie weiterhin sehr bescheiden. Viel Geld gab sie an afroamerikanische Studenten als Stipendien, auch feministische Projekte unterstützte sie. Mitchell starb 1949, erst 48 Jahre alt, nachdem ein Auto sie auf der Peachtree Street angefahren hatte.

Das Loew’s Grand Theatre in der Peachtree Avenue ist 1978 abgebrannt. Atlanta aber trägt den monomentalen Film über die Südstaaten, die Niederlage im Bürgerkrieg und das Niederbrennen der Stadt durch die „Yankees“ weiterhin in seinem Herzen.

Margaret Mitchell House

Atlanta wirkt mit seinen Wolkenkratzern so modern wie wenige andere amerikanische Metropolen. In vielen Winkeln aber lebt sie noch, die Romantik des Alten Südens, die Mitchell zu ihrem Buch inspirierte. Fans finden jede Menge Gelegenheit, die Geschichte des Meisterwerkes zu erforschen. Ein guter Ausgangspunkte für Erkundungen des Mythos namens „Vom Winde verweht“ bildet die bescheidene Wohnung, in der Mitchell ihr Werk schrieb sowie ein angeschlossenes Museum.

Das heute als Margaret Mitchell House bekannte Backstein-Gebäude in der Crescent Avenue dient heute als Museum und gewährt ganzjährig Einblick in das Leben von Margaret Mitchell. Das vom Atlanta History Center betriebene Haus wurde 1899 errichtet. Die Autorin bewohnte von 1925 bis 1932 mit ihrem Ehemann John Robert Marsh ein kleines Appartement. Von 1979 bis 1994 stand das Haus leer. In diesem Jahr legte ein Brandstifter Feuer. Das deutsche Unternehmen Daimler-Benz spendete 4,5 Millionen Dollar für den Wiederaufbau zu einem Museum. Zwei Jahre später schlug erneut ein Brandstifter zu. Fast alles wurde zerstört, aber nicht das Appartement von Margaret Mitchell. Daimler-Benz spendete ein weiteres Mal.

„Vom Winde verweht“ in der Ausstellung des Margaret Mitchell House, Atlanta, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
„Vom Winde verweht“ in der Ausstellung des Margaret Mitchell House in Atlanta. Foto: Georgia Tourism

Seit 1997 präsentiert sich das Haus in seiner jetzigen Form. Das Appartement Nr. 1 kann auf geführten Touren besichtigt werden. Die Tour gibt einen Einblick in Margaret Mitchells Leben und wie sie ihre Familienmitglieder als Charaktere im Buch verewigt hat. Zudem hat der Guide einige überraschende Fakten in petto, z.B. dass Margaret Mitchells Cousin zweiten Grades der Revolverheld Doc Holiday war!

Etliche Exponate zur Autorin und der Entstehung des Buchs sind zu besichtigen. Man sieht die kleine Schreibecke im Wohnzimmer, in der Mitchell, damals eine arbeitslose Journalistin, das Buch von 1926 bis 1929 schrieb. Im Zimmer daneben schlief und aß das Ehepaar. Darüber hinaus beschränkt sich die bescheidene Bleibe auf eine Küche und ein kleines Bad. Die Einrichtung besteht aus Möbeln der Epoche, wie sie das Ehepaar damals benutzte. In zwei getrennten Gebäuden sind das Besucherzentrum mit Andenkenladen und das Museum untergebracht.

Das Bleiglasfenster im Wohnzimmer, durch das die Autorin beim Schreiben blickte, ist noch komplett erhalten. Ein Wunder, denn nach zwei Bränden 1994 und 1996 wurde das Haus aufwändig restauriert sowie originalgetreu nachgebildet. Mit deutscher Unterstützung durch das Unternehmen Daimler-Benz, das die Kosten für den Kauf und die Renovierung übernahm.

Weitere Attraktionen zum Thema

Ein weiteres ständig geöffnetes Kleinod ist das älteste Restaurant Atlantas, Pittypat’s Porch in der Innenstadt. Der Name ist dem Roman und Film entliehen, es ist die Terrasse der Tante Pittypat. Auf den Tisch kommt traditionelle Südstaatenküche, an der Bar sitzt man sehr entspannt auf Schaukelstühlen, und das ganze Lokal ist zum Thema „Vom Winde verweht“ dekoriert.

Ausstellung im Road to Tara Museum, Jonesboro, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Ausstellung im Road to Tara Museum in Jonesboro. Foto: Georgia Tourism
Zu den weiteren Attraktionen in Atlanta gehören das Grandhotel und die Residenz der Premierenstars Georgia Terrace, die Atlanta-Fulton Library mit der Original-Schreibmaschine, das Grab der Autorin auf dem Oakland Cemetary und das monumentale Schlachtengemälde Cyclorama.

Im Umland der Metropole glänzen das Gone With The Wind Museum in Marietta und das Road to Tara Museum in Jonesboro mit Artifakten des Films aus der Produktion in Hollywood.

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Quelle: Georgia Tourism

Margaret Mitchell House
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