Vor Georgias Atlantikküste tummeln sich unzählige Meeresbewohner. Manche gestrandete Meeresschildkröten gelangen nicht aus eigener Kraft ins Wasser zurück. Die Unechte Karettschildkröte ist zwar in allen warmen Meeren zu Hause, zählt aber zu den bedrohten Arten. Das Georgia Sea Turtle Center auf Jekyll Island hat sich ganz dem Schutz der Tiere und der Aufklärung verschrieben.

Verletzte und kranke Loggerhead Sea Turtles, wie die Art im Englischen heißt, werden gesundgepflegt und später mit einem Sender versehen wieder ins Meer entlassen. Somit gewinnen die Mitarbeiter wichtige Informationen zum Nistverhalten der Tiere. Besucher sehen die Tiere von ganz nah und schauen den Helfern bei der Arbeit über die Schulter. So fördert die Schutzstation das Bewusstsein für die Bedrohung und Schutzwürdigkeit der Tiere. Mit etwas Glück entdecken Naturfreunde auf geführten Turtle Walks Weibchen, die nachts ihre Eier am Strand ablegen oder Jungtiere, die am Morgen schlüpfen und den Weg ins Meer antreten.

Ein Sturm genügt! Schildkröten, die seit 50 Jahren oder länger im Atlantik glücklich waren, liegen plötzlich hilflos auf dem Strand. Zu weit sind sie nun vom Wasser entfernt, um sich selbst zu retten. Das Ende? Nicht in Georgia. Das Georgia Sea Turtle Center auf der Insel Jekyll Island pflegt die Tiere so lange, bis sie wieder selbst für sich sorgen können. Die Mitarbeiter behandeln Verletzungen sowie die Folgen von Krankheit und Unterernährung. Jeder Patient wird individuell versorgt, die Taufe auf einen hübschen Namen inklusive. Dann geht’s zurück ins Meer, wo die Tiere dann frisch gestärkt noch einmal 50 oder 100 Jahre leben, denn Meeresschildkröten einiger Arten werden bis zu 150 Jahre alt.

Unechte Karettschildkröte: Muttertier auf dem Weg zurück ins Meer nach der Eierablage, Jekyll Island, Golden Isles, Georgia, USA. Foto: © Georgia Sea Turtle Center, Breanna Ondich
Unechte Karettschildkröte: Muttertier auf dem Weg zurück ins Meer nach der Eierablage. Foto: Georgia Sea Turtle Center, Breanna Ondich

Besucher beobachen auf Führungen, wie die gepanzerten Patienten tiermedizinisch behandelt werden. Auch erfährt man alles über den Lebensweg der Reptilien. Die Mitarbeiter des Georgia Sea Turtle Center begehen die Strände vom 1. Mai bis zum Ende der Brutzeit im Oktober allmorgendlich bei Sonnenaufgang. So entdecken sie die gestrandeten Schildkröten rechtzeitig. Die Helfer untersuchen auch Nester auf Zeichen von Plünderung oder Schlupf; in der Brutzeit von Mai bis August bewachen sie die Strände nachts. Weibchen, die ihre Eier gelegt und im Sand vergraben haben, werden markiert und katalogisiert, um die Population und das Nistverhalten der Schildkröten zu erfassen.

Darüber hinaus bietet die Schutzstation auch die Teilnahme an Inspektionen der Nester an, bei denen am frühen Morgen vorsichtig grabend geprüft wird, wie es der Brut geht. Dabei sieht man mit etwas Glück auch Jungtiere auf ihrem Weg ins Meer. Teilnehmer brauchen ein Auto, um den Tierschützern bis nah an den Strand zu folgen. Kinder dürfen ab vier Jahren mitmachen. Teilnehmer müssen gut zu Fuß sein.

Obwohl Meeresschildkröten schon viele Jahrzehnte beobachtet werden, blieben bisher viele Fragen unbeantwortet. Das Georgia Sea Turtle Center leistet deshalb intensive Forschungsarbeit. So untersuchen die Wissenschaftler, ob nächtliche Spaziergänger die Eiablage der Schildkröten an den Stränden stören und ob künstliche Lichtquellen die Tiere vom Weg abringen.

Bevor gesund gepflegte Schildkröten aus dem Zentrum wieder ins Meer gelangen, befestigen die Mitarbeiter an den Panzern kleine Sender, die Signale zu Satelliten schicken. So studieren sie die Wanderungen im Meer und verlieren ihre Schützlinge nicht ganz aus den Augen. Man sieht sich bekanntlich zweimal im Leben…

Eine frisch geschlüpfte Unechte Karettschildkröte auf dem Weg ins Meer. Jekyll Island, Golden Isles, Georgia, USA. Foto: Georgia Sea Turtle Center, Breanna Ondich
Eine frisch geschlüpfte Unechte Karettschildkröte auf dem Weg ins Meer. Jekyll Island, Golden Isles, Georgia, USA. Foto: Georgia Sea Turtle Center, Breanna Ondich

Eiablage alle drei Jahre

Trächtige Schildkröten kriechen alle drei Jahre von Juni bis August in mehrwöchigen Abständen drei bis viermal aus dem Meer, um im warmen Sand durchschnittlich 112 Eier abzulegen und zu vergraben. Ab August schlüpfen die Jungtiere und machen sich dann schnellstens auf ins Meer, um Füchsen, Waschbären und anderen Feinden zu entgehen. Im Wasser warten dann viele andere Gefahren, von Raubfischen bis zu Bootspropellern. Nur wenige Tiere wachsen zu den mehr als hundert Kilogramm Körpergewicht heran, die möglich sind.

Das Georgia Sea Turtle Center lässt Touristen an dem Naturschauspiel am Strand teilhaben. Tierschützer führen Touristen zu dem Naturschauspiel und lassen sie zusehen, wenn sie die Gelege inspizieren. Zwar können die Veranstalter nicht garantieren, dass die Teilnehmer eine Eiablage zu sehen bekommen. Nach Auskunft der Schutzstation kennen die Naturkundler das Terrain und die Tiere aber so gut, dass die Chancen darauf nicht schlecht stehen. Alle Teilnehmer hören vor der Tour einen Vortrag zur Einführung auf Englisch. So ist sichergestellt, dass sie die Zusammenhänge verstehen, den Tierschützern helfend zur Hand gehen können und vor allem, dass sie die Tiere nicht stören. Taschenlampen und Foto-Blitzlichter bleiben ausgeschaltet.

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