Keine andere Stadt in den USA identifiziert sich so stark mit dem beliebten Getränk wie die Metropole im äußersten Nordwesten des Landes. Hier wird Kaffee eben nicht nur als Wachmacher konsumiert – hier genießt man ihn den ganzen Tag über, und die Einwohner sind ständig auf der Suche nach der perfekten Röstung.

Seit den 1980er Jahren, als die Kaffeekultur in den USA schlagartig zu wachsen begann, bringt sich Seattle aktiv in die Szene mit ein: als Geburtsort des amerikanischen Espresso-Konsums und mit einer breiten Vielfalt an Coffee Houses.

Coffee Beans. Foto: Pixabay #171653, Public Domain
In Seattle genießt man Kaffee den ganzen Tag über (Symbolbild). Foto: Pixabay, CC0

Starbucks

Beim weltweit ersten Starbucks-Coffeeshop herrscht oft ein reger Andrang an Besuchern aus aller Welt. Der Kaffee-Gigant hat es geschafft, das koffeinhaltige Getränk in den Vereinigten Staaten zu revolutionieren. In diesem winzigen Laden am Pike Place Market verkaufte Starbucks einige der weltweit besten frisch gerösteten Kaffeebohnen.

Starbucks, Pike Place Market, Seattle, Washington. Foto: usa-reisetraum.de
Starbucks Cafe am Pike Place Market in Seattle. Foto: usa-reisetraum.de

Im Jahr 1981 besuchte Howard Schultz zum ersten Mal ein Starbucks Coffee House. Mit seiner ersten Tasse Sumatra entbrannte seine Liebe für Starbucks, und ein Jahr später trat er ins Unternehmen ein. Wiederum ein Jahr später, 1983, faszinierten Howard Schultz bei einem Aufenthalt in Italien die dortigen Kaffeebars und die Romantik des Kaffeegenusses. Dies brachte ihn auf die Idee, die italienische Kaffeebartradition in sein Heimatland zu bringen und einen Ort für Gespräche zu schaffen – einen Ort zwischen Arbeitsplatz und Zuhause, an dem sich ein Gemeinschaftssinn entwickelt.

Im August 1987 kehrte er als neuer Besitzer von Starbucks ins Unternehmen zurück. Starbucks war von Anfang an ein Unternehmen, das nicht nur Kaffee und dessen reiche Tradition zelebriert, sondern das auch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit erzeugt. Mit mehr als 15.000 Coffeeshops in 50 Ländern ist Starbucks heute weltweit der größte Röster und Anbieter von Kaffeespezialitäten.

Cafés in Seattle

Mittlerweile gibt es zahlreiche Coffeeshops in Seattle, die biologisch angebaute und Fairtrade-zertifizierte, frisch gemahlene Bohnen in gemütlichem Ambiente anbieten. Natürlich sollte man sich die Zeit nehmen, seinen Kaffee zu genießen. Auch das zelebriert man hier gerne. In den Cafés der Stadt kann man Stunden verweilen, während man in Ruhe erstklassigen Kaffee zu sich nimmt.

  • Local Color, Victrola Coffee und Victor’s sind nur einige der Kaffeehäuser, die neben trinkbaren Koffein-Spezialitäten und frischen Backwaren auch Kunstausstellungen und Live-Musik anbieten.
  • Das Cupcake Royale bietet zudem erstklassige Cupcakes und von Gebäck inspirierte Eiscreme-Sorten an.

Kaffee-Tour

Wer mehr über die Kunst des Kaffeebrauens erfahren möchte, sollte den „Coffee Crawl“ des Anbieters Seattle by Foot nicht verpassen. Auf der zweistündigen Tour erlebt man nicht nur den besten Kaffee der Stadt, sondern hört auch interessante Fakten und unterhaltsame Anekdoten – sogar das Seattle Magazine meint, die Tour sei ein Muss für Java-Fans. Der Rundgang startet jeweils um 10 Uhr am Seattle Art Museum.

„To Cup Like a Local“ – oder: wie man seinen Kaffee wie ein Einheimischer trinkt

Um angemessen Kaffee wie ein „Seattle-ite“ zu konsumieren, können Sie an einem öffentlichen „Cupping“ teilnehmen, das z.B. Victrola Coffee regelmäßig anbietet, und das ähnlich wie eine Weinprobe abläuft. Dabei sollten Sie zunächst darauf achten, den Duft der frisch gemahlenen Bohnen tief einzuatmen – herrlich! Konzentrieren Sie sich auf die unterschiedlichen Aromen der Sorten.

Beim Übergießen mit kochendem Wasser sollte das Pulver komplett mit Wasser durchtränkt sein. Warten Sie einen Moment, bis sich eine Art Kruste darauf gebildet hat, bevor Sie diese mit dem Löffel durchbrechen und auch diesen Duft wieder „inhalieren“. Nun kosten Sie einen Schluck des frisch gebrühten Heißgetränks. Wie beim Wein hat auch jede Kaffeesorte ihre spezielle Note und Eigenschaften für die Sie hier sensibilisiert werden. Viel Spaß beim Probieren – in der Stadt, die es versteht, Kaffee zu genießen!

Schlemmerparadies Seattle

Bis vor einiger Zeit gab es in Seattle nur einige Sorten Speiseeis zu kaufen – und die meisten davon waren lediglich im Supermarkt erhältlich. Doch in den letzten Jahren erlebte die Eiscreme-Kultur in der Emerald City einen gewaltigen Aufschwung.

So entstanden in vielen Stadtteilen Eisdielen, die sich der Herstellung qualitativ hochwertiger Geschmackssorten widmeten und sich heute großer Beliebtheit erfreuen. Aber auch Coffee Shops, Bäckereien und selbst Microbreweries bieten neben Kaffeespezialitäten und selbstgebackenen Kuchen auch gefrorene Leckereien aus eigener Produktion an. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ice Cream Float mit selbstgebrautem Bier probiert?

Parfait Ice Cream

Adria Shimada ist eine der Ersten, die diese neue Eiscreme-Kultur nach Seattle gebracht hat: in ihrem Parfait Ice Cream Truck, einer fahrenden Eisdiele, verkaufte sie zunächst ihr selbst hergestelltes Bio-Eis aus regionalen Zutaten wie Minze vom Bauern und Honig vom Imker nebenan. Schon bald expandierte sie und eröffnete eine Eisdiele im Viertel Ballard, in der die passionierte Bäckerin nicht mehr nur Eiscreme, sondern auch frische Teigwaren anbietet.

Das Besondere: hier kombiniert man gern beides miteinander – so entstehen köstliche Spezialitäten wie Eiskrem-Sandwiches aus Keksen und Eis, Eispralinen aus Schokoladenbonbons gefüllt mit Haselnusseis, sowie verschiedenste Eistorten und weitere kreative Kombinationen. Das vielfältige Eissortiment umfasst neben Geschmacksrichtungen wie salziges Karamell, Rosmarin-Pinienkern, Schokolade-Erdnussbutter, Minze-Stracciatella und Earl Grey auch vegane Eissorbets wie Himbeere, Birne-Vanille und Schokolade. Die Krönung bildet übrigens die hausgemachte warme Sauce in den Geschmacksrichtungen Schokolade und Karamell.

Blue Bird Ice Cream

In der Bluebird Microcreamery & Brewery kann man den sogenannten „Pint” gleich auf zwei Arten bestellen: Zum einen als selbstgemachte Eiscreme mit bekannten Zutaten aus der Gegend wie dem Caffe Vita Kaffee oder der Theo Schokolade. Zum anderen als großes Glas Bier, das in der hauseigenen Brauerei hergestellt wurde. Für Experimentierfreudige: Die in den USA so beliebten Ice Cream Floats, einer Kombination aus Limonade und Eiscreme lassen sich hier auch hervorragend mit Bier genießen. Für weniger Mutige gibt es natürlich auch Limonade vom Fass. Und auch Veganer dürften hier nicht enttäuscht werden: Einige Eissorten werden mit Kokos- oder Mandelmilch produziert und sind wirklich empfehlenswert!

Full Tilt Ice Cream

Das Dessert- und Spieleparadies Full Tilt Ice Cream eröffnete seinen ersten Standort in White Center zwischen Seattle und Burien, und verzeichnet mittlerweile weitere Dependancen in verschiedenen Stadtteilen von Seattle. Das Konzept: in einem fröhlichen Ambiente mit Flipper-Automaten und Musik kann man sich ausgefallene Eissorten wie Thai Iced Tea und Mango Chili oder Eis am Stiel schmecken lassen. Der Laden dient zugleich als Treffpunkt in der Nachbarschaft mit ausgeprägtem Gemeinschaftssinn. Eine Eissorte wurde zu Ehren der Grungeband Mudhoney aus Seattle benannt – als speziellen Dank dafür gab es ein Konzert der Band in einem der Shops. Auch kreierte Full Tilt die Sorte „Not-Its Mint“, in Bezug auf die Indie-Rockband Not-Its, die die Eisdiele mit ihrem Song „Full Tilt“ unvergesslich gemacht haben.

Molly Moon’s

Hinter den Molly Moon’s Eisdielen steckt tatsächlich eine Molly. Ihr Nachname lautet allerdings Neitzel und sie ist eine Geschäftsfrau, die im Nonprofit-Bereich arbeitete, bevor sie auf die Idee kam, einen Ort für die Nachbargemeinschaft zu schaffen, wo man sich austauschen und gemeinsam Eis essen kann, das aus regional angebauten Zutaten hergestellt wird. Auch engagiert sie sich weiterhin sozial: Die Sorte „Scout Mint“ wird unter anderem mit Thin Mints (Schoko-Pfefferminzkekse mit Schokoladenüberzug) hergestellt, die von den Pfadfinderinnen in der Gegend verkauft werden. Der Erlös dieser sogenannten Girl Scout Cookies dient sozialen Projekten in der Region.

Molly Neitzel eröffnete außerdem einen Eisladen in der Keksbäckerei Hello Robin am nördlichen Ende von Capitol Hill. Weitere Molly Moon’s Eisdielen befinden sich in den Stadtvierteln Wallingford, Madrona, Queen Anne, Ballard und University Village. Die Geschmackssorten passen sich der jeweiligen Jahreszeit an und beinhalten zum Beispiel Honig-Lavendel, Erdbeere-Balsamico und Stumptown Coffee, aber auch Klassiker wie Walnuss, Vanille oder Erdbeere.

Seattle und Kaffee gehören unweigerlich zusammen
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