Savannah ist als eines von sehr wenigen US-amerikanischen Städteensembles aus der Kolonialzeit nahezu vollständig erhalten geblieben und besitzt den größten historischen Stadtkern unter Denkmalschutz der Nation.

Zeitgeistig und historisch zugleich, scharen sich um mehr als 20 grüne Parks an den Straßenkreuzungen – man kennt diese “Squares” aus dem Film Forrest Gump – alte Häuser, Denkmäler, Grünflächen und Kirchen. Der größte Stadtbezirk unter Denkmalschutz in den USA begeistert mit Kreativität allerorten. Bildende Kunst und Theater haben hier eine Heimat, besonders am Savannah River. Savannah bietet alles für mehrere Tage spannenden, erholsamen Urlaubs. Die typischen weissen Villen lassen Südstaaten-Atmospähre aufkommen.

Frühling in Savannah, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Frühling in Savannah. Foto: Georgia Tourism

Neben romantischer Architektur, guten Restaurants und einem großen Angebot an Hotels bietet die Stadtperle nahe der Atlantik-Mündung des Savannah River auch reizvolle Ausflugsziele in ihrer Umgebung. Zu ihnen zählen auch die Golden Isles mit St. Simons und Jekyll Island mit ihren palmenbestandenen Insel-Sandstränden und der Okefenokee-Sumpf, in dem mehr als 15.000 Alligatoren leben.

Savannah blickt auf ein klangreiches Erbe zurück. Dort wurde 1859 das Weihnachtslied Jingle Bells geschrieben und Johnny Mercer schuf das Stück Moon River, bekannt aus dem Film Frühstück bei Tiffanys.

Tybee Island Beach, Tybee Island, Savannah, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism

Tybee Island

Savannahs Badestrand
Rauschendes Meer, Seeluft und weißer Sand. 20 Minuten entspannte Autofahrt von Savannah entfernt geht man schwimmen auf Südstaatenart – auf Tybee Island. Vor der Atlantikküste Georgias ... mehr +

Foto: Georgia Tourism

Großes Kino in Savannah

Viele Regisseure haben das Film-Potential Savannahs erkannt und ihre Kameras hier aufgestellt. Das legendäre Filmbild von Forrest Gump, wie er auf der Parkbank seine fantastische Lebensgeschichte erzählt, entstand in Savannah im Park des Chippewa Square. Die Bank steht heute im Savannah History Museum, und im Park setzt man sich auf eine ganz ähnliche.

Clint Eastwood drehte in Savannah Mitternacht im Garten von Gut und Böse, den Film überhaupt über die alte schöne Stadt. Und Robert Redford inszenierte ebenfalls in Savannah das bildgewaltige Golfdrama Die Legende von Bagger Vance.

Verwunschenes Savannah

Warum gehen in Savannah so viele rastlose Seelen um? Die Antwort liegt in Geschichte. Diese Hafenstadt ist heute die Schönheit selbst. Früher einmal aber war sie geprägt von Krieg, Krankheiten und Piraten. Noch im 19. Jahrhundert raffte das Gelbfieber mehrfach Tausende von Menschen dahin. Man legte sie eilig in Massengräber. Davor ließen Hunderte von Soldaten ihr Leben im Kampf gegen die Briten. Und so mancher Gauner endete am Strang.

Der Galgen war auch Endstation der irischen Einwanderin Alice Riley im Jahre 1735. Von ihrem Dienstherrn William Wise stetig missbraucht, ersäufte sie ihn schließlich in der Badewanne. Darauf stand die Todesstrafe. Sie hing aber erst acht Monate später. Vorher musste sie noch das Kind ihres Peinigers austragen. An manchen Nächten soll seither eine in Lumpen gehüllte Frau am Ort der Hinrichtung umgehen. Ist es Alice Riley, die seit bald 300 Jahren nach ihrem Baby sucht?

Im Restaurant Olde Pink House berichten Gäste immer wieder von einem elegant gekleideten Mann, den sie erst für den Kellner halten. Doch bevor sie „Zwei Mint Tulip bitte!“ sagen können, hat er sich schon in Luft aufgelöst. Schauen die verprellten Zecher an die Wand, erkennen sie diesen mysteriösen Mann auf einem Gemälde als James Habersham Jr. wieder, der in diesem Haus anno 1799 starb.

Savannahs gespenstische Aura hängt nachts überall in den Straßen. Viele Haustüren sind blau lackiert. Ein Symbol für fließendes Wasser, das böse Geister fürchten. Mehrere Geister-Führungen weisen fachkundig zu den schönsten Gruselorten – das ganze Jahr über, aber besonders spannend an Halloween. Man ist zu Fuß unterwegs oder stilecht im Leichenwagen. Halten Sie doch mal bei Nacht die Hand durch den gusseisernen Zaun des Colonial Park Cemetery. Der Stadtführer wird behaupten, die Luft auf dem Friedhof sei spürbar kälter. Aber das glauben Sie doch nicht wirklich, oder?

Zu Halloween steht ganz Amerika Kopf. Um die Geister aus dem Haus zu halten, stellten die Menschen vor Hunderten Jahren Speisen und Getränke vor die Tür. Heute verkleiden sich die Kinder und ziehen von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu ergattern. Doch wer weiß schon, wer sich in dieser unheiligen Nacht unter den Kostümen versteckt? So lange die Geister „Trick or treat, smell my feet!“ rufen, ist alles in Ordnung. Die wollen nur Süßes. Sonst aber? Schüttel …

Ralph Gilbert Civil Rights Museum und First African Baptist Church

Tiefe Wurzeln: An der Küste Georgias findet man eindrucksvolle Spuren der bewegten Vergangenheit. In Savannah vermittelt das Ralph Gilbert Civil Rights Museum Wissenswertes zum Leben der ältesten Afro-Amerikanischen Gemeinde in Georgia und ihren Kampf gegen die Segregation.

Benannt wurde das Museum nach Dr. Ralph Mark Gilbert, der sich bereits in den 1940ern für Bürgerrechte einsetzte und langjährig als Pfarrer in der First African Baptist Church von Savannah tätig war. Die Kirche von 1777 gilt heute als älteste schwarze Kirche Nordamerikas.

First African Baptist Church in Savannah, Georgia, USA. Foto: Visit Savannah
First African Baptist Church in Savannah. Foto: Visit Savannah

Bonaventure Cemetery

Der Bonaventure Cemetery gehört wohl zu den schönsten Friedhöfen der Welt und zieht viele Besucher an, die den Grabstätten von Johnny Mercer, Little Gracie oder Conrad Aiken einen Besuch abstatten möchten. Die Bonaventure Historical Society, die sich um den Erhalt des Friedhofs kümmert, bietet am Wochenende geführte Touren an, diese sind jedoch begehrt, so dass sie oft wochenlang im Voraus ausgebucht sind. Die etwa einstündige Tour führt zu 31 der ältesten und bekanntesten Grabmäler und gibt deren Geschichte sowie die Geschichte des idyllischen Friedhofs wieder.

In Savannah tragen die Eichen Schleier – Das Geheimnis des „Spanish Moss“

Wenn die Eichen Schleier tragen! Und zwar aus „Spanish Moss“. Wie kann es sein, dass eine Pflanze ganz ohne Wurzel gedeiht? Dieses Moos, das gar keines ist, lebt von Luft. Und vielleicht auch von Liebe. Zumindest ranken sich darum viele Geschichten.

Spanish Moss in Savannah, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Spanish Moss in Savannah. Foto: Georgia Tourism
Auf der Veranda einer schönen Bed & Breakfast-Herberge sitzen, einen kühlen Mint Julep in der Hand, während der Wind in den Ästen einer knorrigen Eiche das Spanish Moss sanft streichelt. Dies ist der Inbegriff der Südstaaten und vor allem ihrer romantischen Städteperle Savannah. Was aber hat es mit diesem Gewächs auf sich, das bis zu acht Meter lang büschelig von den Bäumen hängt? Und warum „spanisch“?

Die Franzosen sind Schuld. Sie nannten die Pflanze „Spanischer Bart“, und das war ein Stinkefinger an den Eroberungs-Rivalen aus Spanien. So wuschelig wie die Bärte der Conquistadores eben, die in den Augen der feinsinnigen Gallier nicht besonders zivilisiert waren. Die Spanier hatten bis dahin von „Hexenhaar“ gesprochen.

Die beiden korrekten deutschen Namen, „Bartflechten-Tillandsie“ oder „Louisiana-Moos“ hatten niemals wirklich eine Chance. Weder phantasievoll noch gehässig genug! Ohnehin hat diese Pflanze mit Moos nun wirklich rein gar nichts zu tun. Wie die Botaniker uns glauben machen, ist sie eher mit der Ananas verwandt. Sie braucht keine Wurzeln, und sie zapft auch nicht den Wirtsbaum an, sondern holt sich alles zum Leben aus der Luft.

orsyth Park Fountain, ein Wahrzeichen von Savannah in einem der über 20 Stadtparks, Savannah, Georgia, USA. Foto: Georgia Tourism
Forsyth Park Fountain, ein Wahrzeichen von Savannah in einem der über 20 Stadtparks. Foto: Georgia Tourism
Von South Carolina bis hinunter nach Argentinien und Chile findet man das Spanish Moss. „Es gedeiht aber besonders schön an der Küste Georgias“, sagt Conny Cottingham, Pflanzenexpertin und Beraterin des Botanischen Gartens des Staates Georgia in Athens. Meist bräunlich-gräulich, nur selten tiefgrün – manche spektakuläre Gewächse haben ganz andere Farben.

Die frühen Einwanderer aus Europa stopften mit Spanish Moss ihre Kissen und Matratzen. Wie geschaffen dafür erschien ihnen die kühlende und atmungsaktive Pflanze. Dummerweise aber hausen in ihr kleine Insekten, die gerne mal die Schlafenden zwicken. Noch heute enden viele Gutenacht-Geschichten mit den Worten: „Don’t let the bedbugs bite you.“ Gemeint sind diese gemeinen „Critters“. Der Autobauer Henry Ford, wusste das auch nicht, als er sich die Füllung für Autositze von den Bäumen holte. Das führte zu Juckattacken am Steuer des Model T. Der gute Henry war eben ein ahnungsloser Nordstaatler.

Ganz besonders schönes Spanish Moss hängt an den Eichen der 22 alten Stadtparks von Savannah, von denen gepflasterten Straßen abgehen. Und dort lässt man es heutzutage auch, denn zum Stopfen von Kissen gibt es längst Besseres.

American Prohibition Museum

Museum mit Kneipe: Im City Market von Savannah, mitten im historischen Viertel der Hafenstadt, befindet sich das das American Prohibition Museum. Es ist nicht nur das erste seiner Art in den Vereinigten Staaten, sondern auch einzigartig wegen seiner Bar – ein sogenanntes Speakeasy, wie die illegalen Bars in den 1920er- und 1930er-Jahren genannt wurden.

So können Besucher während der Besichtigung einen Zeitsprung in die Prohibition erleben und an einem antiken Tresen Cocktailkreationen aus dieser Ära verkosten. Auch in den Abendstunden servieren Barkeeper, gekleidet im Stil der „Roaring Twenties“, altmodische Cocktails bei stimmungsvoller Musik.

Whiskey im American Prohibition Museum in Savannah, Georgia, USA. Foto: American Prohibition Museum
Whiskey im American Prohibition Museum in Savannah. Foto: American Prohibition Museum

Zeitreise zu Schnapsbrennern und Schmugglern

Die interaktive Ausstellung beleuchtet die Hintergründe und Geschichte der amerikanischen Prohibition mit mehr als 200 originalen Exponaten, darunter Destillen für Moonshine, einem Biertruck von 1918 oder einem 1936er Ford mit V-8 Motor, der beim Rumschmuggel zum Einsatz kam.

34 lebensechte Wachsfiguren lassen das Museumserlebnis lebendig werden, vom Gangster Al Capone bis hin zu Carrie Nation, einer rigorosen Verfechterin der Prohibition, die Bars bevorzugt mit einer Axt heimsuchte. Dioramen, modernste Technik und fachkundige Guides nehmen Besucher mit zurück in die Zeit, als sich Amerika nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich und politisch veränderte. Jahre, in denen Alkohol zwar verboten war, aber der Schwarzmarkt für Spirituosen brummte. Gebrannt wurde heimlich in der heimischen Küche, aber auch in größerem Stil.

Bathtub Gin im American Prohibition Museum in Savannah, Georgia, USA. Foto: American Prohibition Museum
Bathtub Gin im American Prohibition Museum in Savannah. Foto: American Prohibition Museum

So zeigt das Museum unter anderem eine 1.500 Liter fassende Destille aus den Bergen von Virginia oder einen kleineren Destillierapparat aus Kupfer, der einst einem Pfarrer aus North Carolina gehörte. Weiterhin zu bestaunen sind Gegenstände, in denen Alkohol versteckt wurde, beispielsweise Gehstöcke oder Brathähnchen und Eier aus Porzellan.

Besucher erfahren Wissenswertes zum Destillieren von Moonshine – schwarz gebranntem Schnaps, der bevorzugt in der Nacht hergestellt und von sogenannten Bootleggern mit schnellen Autos aus den Bergen in die Städte geliefert wurde. Aus deren Verfolgungsjagden mit der Polizei und illegalen Autorennen entstand Jahre später die offizielle NASCAR-Rennserie.

Drinks im American Prohibition Museum in Savannah, Georgia, USA. Foto: American Prohibition Museum
Drinks im American Prohibition Museum in Savannah. Foto: American Prohibition Museum

Das Restaurant der Seeräuber

Im Pirates‘ House in Savannah sponnen die alten Seeräuber ihr Seemannsgarn und arbeitsunwillige Seeleute nahmen ihren letzten Drink in Freiheit. Heute ist es eines der beliebtesten Restaurants der Stadt.

1733 gingen General Oglethorpe und seine Gruppe von Kolonisten im heutigen Savannah an Land und begründeten die Stadt als kleines Zeltlager. Zwanzig Jahre später war Savannah eine boomende Hafenstadt und bekam mit dem Pirates‘ House auch gleich den passenden Szenetreff. Hier kamen die Piraten und andere Seeleute hin, um zu erzählen, was sie auf den sieben Weltmeeren erlebt haben. Die Geschichten zwischen Shanghai und San Francisco wurden mit jedem Glas Rum spektakulärer und die Augen glasiger.

The Pirates' House, Savannah, Georgia, USA. Foto: Bubba73 (Jud McCranie) bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
The Pirates‘ House in Savannah. Foto: Bubba73 (Jud McCranie) bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Schiffseignern, denen noch Hilfsmatrosen fehlten, kam das gerade recht. Wenn kräftige Seeleute vom Hocker fielen, trug man sie durch einen Tunnel, der im Rumkeller begann und am Hafen endete. Vom neuen Job erfuhren die Männer erst, als auf hoher See ein Eimer kaltes Wasser den Rausch beendete. Dieses Schicksal soll auch einen Polizisten aus Savannah ereilt haben, der während seiner Runde nur kurz einen Drink nehmen wollte und dann zwei Jahre brauchte, um wieder nach Hause zu kommen. Für diese Art der Rekrutierung unter den Brachialnautikern hatte man auch einen internationalen Fachbegriff: Die Neumatrosen wurden „shanghait“.

Der Geschichte des Hauses tragen nicht nur der Name und die Aufmachung Rechnung. Im Captain’s Room und im Treasure Room hängen eingerahmte Seiten einer sehr alten Edition von Robert Louis Stevenson „Die Schatzinsel“ an der Wand. Savannah findet in diesem Klassiker Erwähnung und einige der Ereignisse aus dem Buch sollen sich sogar im Pirates‘ House zugetragen haben. Der Legende nach hat hier der Piratenkapitän John Flint mit seinem letzten Atemzug nach einem Glas Rum gefragt. Dass Flints Geist in mondlosen Nächten im Pirates‘ House umhergeht, versteht sich von selbst.

Das Pirates‘ House bewirtet seine Gäste heutzutage mehr mit gutem Essen als mit Rum. Natürlich gibt es dabei viele Köstlichkeiten aus dem nahen Meer. Neben eher europäischen Kreationen wie Zackenbarsch in Parmesankruste und Filet Mignon bietet das Haus, ganz der Region verbunden, auch die traditionelle Südstaatenküche. Green fried tomatoes (von kaum einer Speisekarte im Süden wegzudenken), Gumbo, She crab soup und Catfish.

Wer einfach nur ein gutes Steak oder einen Burger möchte, ist hier ebenfalls richtig. Eine besondere Empfehlung ist das Honey pecan chicken mit Baked potatoe. Shanghait wird heute niemand mehr. Und doch sind nicht alle Gefahren gebannt: Der Banana bread pudding kann hoffnungslos süchtig machen.

Savannah
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